19 Mar 2020, Φ Coronavirus (IV), aus journalistischen Quellen: Aktuelles

19.3.20, Coronavirus (IV), aus journalistische Quellen: Aktuelle Auswahl

Süddeutsche Zeitung (SZ), Titelstories

  • Bullion, C von et al. (SZ, 16.3.20): Deutschland macht Grenzen dicht. Von Montagmorgen an gelten strikte Beschränkungen für die Einreise aus einigen Nachbarländern. Bayern will Geschäfte und Bars schließen. Inseln in Nord- und Ostsee werden für Touristen gesperrt. „Das Leben in Deutschland steht vor radikalen Einschnitten …“
  • Esslinger, D et al. (SZ, 17.3.20): Öffentliches Leben muss pausieren. Bundesregierung und Ministerpräsidenten erlauben nur noch die Öffnung von Läden für die Grundversorgung, alle anderen müssen schließen. Auf Urlaubsreisen sollen Deutsche verzichten. „In Deutschland gilt nun das ‚Primat der Medizin‘ – mit diesen Worten hat … Söder (CSU) zusammengefasst, was am Montag geschah …“
  • Brössler, D. et al. (SZ, 18.3.20): Das Risiko ist jetzt hoch. Im Kampf gegen die Corona-Epidemie wollen Bund und Länder die zahl der Intensivbetten durch provisorische Kliniken verdoppeln. Deutschland lässt Nicht-EU-Bürger ab sofort nicht mehr einreisen.
  • Schneider, J. (SZ, 19.3.20): „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ In einer Fernsehansprache appelliert Angela Merkel an die Bürger, soziale Kontakte zu minimieren. Eine bundesweite Ausgangssperre gibt es nicht. Im Kampf gegen das Virus sollen Handydaten helfen.

SZ, Weiteres

  • Giesen, C et al. (SZ, 16.3.20, p.2): Wenn Hoffnung ansteckt. Taiwan, Hongkong und Singapur, inzwischen aber auch Südkorea, sind der Krise Herr geworden, ohne das soziale Leben komplett einzufrieren. Wie haben ausgerechnet Chinas Nachbarn das geschafft?
  • Dostert, E. et al. (SZ, 16.3.20, p.5): Unmoralisches Angebot. US-Präsident Donald Trump will einen Impfstoff gegen das Coronavirus exklusiv für seine Landsleute. Um es zu ergattern, bietet er dem deutschen Biotechnologie-Unternehmen Curevac hohe Summen an.
  • Gertz, H. (SZ, 17.3.30, p.3): Macht’s gut. Womöglich verabschieden sich die Menschen gerade voneinander, für Wochen, Monate. Wer weiß das schon. München, Corona und die letzten Tage der Freiheit.
  • Dostert, E. et al. (SZ, 17.3.30, p.17): Impfstoff für alle. Curevac, das Biotech-Unternehmen aus Tübingen, erteilt de, amerikanischen Präsidenten Trump eine Absage – und weckt Hoffnungen.
  • Uhlman, B. (SZ, 18.3.20, p.14): Vom Primärfall zur Latenzzeit. Mit dem Fortschreiten der Covid-19-Pandemie steigt auch das Bedürfnis der Öffentlichkeit nach wissenschaftlichen Informationen. Ein epidemiologisches Glossar … – Ansteckung: Basisreproduktionszahl; Herdenimmunität; Vom Ausbruch zur Pandemie: Ausbruch, Epidemie, Pandemie, Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite; Verlauf der Infektion: Inkubationszeit, Latenzzeit; Die Betroffenen: Indexfälle, „Patient 0“, Primärfall, Fall(definition); Tödlichkeit: Letalität, Mortalität.
  • Kirchner, T. (SZ, 19.3.20, p.7): Das Hochrisiko-Experiment. Die niederländische Regierung will, dass sich viele Menschen mit dem Virus infizieren. – „… Niederländer … ihre Regierung macht es … anders als die anderen. Sie hängt … der Theorie der ‚Herden-‘ oder ‚Gruppenimmunität‘ an. Demnach soll sich der widerstandsfähige Teil der Bevölkerung möglichst umfassend anstecken …“

SPIEGEL online

  • Berres, I. (Spiegel 15.3.20, 12:39h): Interview mit dem Infektiologen John Ziebuhr, Leiter des Instituts für Medizinische Virologie, Universität Gießen: Corona-Pandemie. Wie sieht die Zukunft nach dem Ausbruch aus? „Die Maßnahmen sind dazu da, den Ausbruch so weit wie möglich zu verlangsamen …, damit unser eigentlich gut funktionierendes Krankenhaussystem nicht aufgrund der großen Anzahl an Patienten zusammenbricht, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen … davon ausgehen, dass es nicht mehr gelingt, dieses Virus komplett zu eliminieren. Selbst wenn sich ein großer Anteil der Bevölkerung weltweit infiziert und eine Immunität gegen das Virus aufbaut, wird diese innerhalb weniger Jahre wieder nachlassen … wird eine ganz schwierige Frage sein, ob man sicherstellen kann, infiziertes Personal durch regelmäßige Tests zu identifizieren, und ob man infiziertes Personal, das keine Erkrankungssymptome zeigt, vielleicht noch in ausgewählten, weniger kritischen Bereichen einsetzen muss, um die Arbeitsfähigkeit einer Klinik zu erhalten. spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-wie-sieht-die-zukunft-nach-dem-ausbruch-aus-a-4f1f91c6-eb02-4423-acbf-06fa25987914
  • Soeder, S. (Spiegel 18.3.20, 18:46h): Coronavirus: Epidemiologen empfehlen monatelange [in der vereinfachten Druckversion heißt es: rechnen mit monatelangen] Einschränkungen. Ein paar Wochen Ausnahmezustand, dann ist die Covid-19-Epidemie unter Kontrolle? So einfach wird die Sache nicht, sagen Forscher. Wir werden unsere Kontakte über lange Zeit reduzieren müssen. „… welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt den besten Erfolg bringen, diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Epidemiologen arbeiten an Empfehlungen für die besten Strategien … Forschergruppe des Covid-19 Response Team am Imperial College in London … “Wir kommen … zu dem Schluss, dass die Unterdrückung von Epidemien zum gegenwärtigen Zeitpunkt der einzig gangbare Weg ist” … Das ist der Ansatz, der in Deutschland verfolgt wird … allerdings: Die Einschränkungen brächten nicht nur “enorme soziale und wirtschaftliche Kosten”, sie müssten … auch so lange beibehalten werden, bis ein Impfstoff verfügbar wird … Welchen Effekt die Eingriffe in unser Sozialleben auf die Verbreitung des Virus haben könnten, das kann jeder Interessierte mit einem Simulator im Netz … selbst ausprobieren. Entwickelt haben das Programm die Epidemiologen Martin Eichner (Uni Tübingen und Epimos GmbH) und Markus Schwehm (ExploSYS GmbH) zusammen mit Gesundheitsbehörden in Baden-Württemberg … Parameter … neben der Größe der simulierten Bevölkerung … auch die Anzahl der eingeschleppten Fälle und … der Faktor, wie viele Gesunde ein an Covid-19 Erkrankter infizieren kann … Ausmaß der … Social-Distancing-Maßnahmen … Effektivität der Isolation von Kranken … spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronakrise-epidemiologen-rechnen-mit-monatelangen-einschraenkungen-a-a7743f7f-83e3-44fd-91b0-29f645130207
  • Hoffmann, C. (Spiegel 19.3.20, 00:21h): Interview mit der Vorsitzenden des Europäischen Ethikrats, Prof. Dr. Christiane Woopen, Medizinethikerin: “Wenn die Ressourcen knapp werden, stellen sich existenzielle Fragen”. – Woopen: „Wir erleben ein Wegbrechen von Strukturen, die uns ansonsten Sicherheit vermitteln, auf ganz vielen Ebenen … Wir erleben das Ende verlässlicher Planbarkeit, existenzielle Nöte, … Grenzschließungen und Reiseverbote. Dies erfordert von allen Menschen, aber auch von den gesellschaftlichen und politischen Institutionen eine erhebliche Kreativität und Widerstandskraft … Eindruck, dass wir im Moment eine gute Geschichte der Solidarität, der Offenheit, des Zusammenrückens schreiben … unsere Bewegungsspielräume werden kleiner, aber es gibt auch sehr viel Positives … an Unterstützung und Zuwendung. Die äußere Begrenzung geht mit innerer Öffnung einher … ‚Krise‘ ist von seiner Herkunft her das Wort für Entscheidung. Wir alle … müssen es entscheiden: Was für eine Gesellschaft wollen wir sein? Wie wollen wir auf dieser Welt zusammenleben? spiegel.de/wissenschaft/mensch/corona-krise-und-ethik-wie-aerzte-entscheiden-welche-schwerkranken-versorgt-werden-und-welche-nicht-a-0f03e241-211a-4531-b338-28e34f866f60

15 Mar 2020, Φ Coronavirus (III), inkl. Allgemeinverfügung der Gesundheitsbehörde Hamburg

15.3.20, Coronavirus COVID-19 (Post III), inkl. Allgemeinverfügung der Gesundheitsbehörde Hamburg; Beiträge der Süddeutschen Zeitung (SZ)

www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/13721208/2020-03-15-bgv-coronavirus-aktuell/: Neue Allgemeinverfügung der Gesundheitsbehörde schränkt öffentliches Leben stark ein – alle Veranstaltungen untersagt, viele Einrichtungen müssen schließen. 15. März 2020 17:00 Uhr.

Aktuelle neue Fälle mit positiver COVID-19-Infektion: „ … die Zahl der in Hamburg gemeldeten Fälle … auf insgesamt 196 angestiegen … Wegen der derzeitigen Rückreisewelle aus Risikogebieten sowie aus der Schweiz und Österreich erwarten wir in den kommenden Tagen einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen … “

Neue Allgemeinverfügung der Gesundheitsbehörde: „ … Dazu sagt Gesundheitssenatorin … Prüfer Storcks: ‚ … Es handelt sich um den umfassendsten Eingriff in das öffentliche Leben Hamburgs seit vielen Jahrzehnten‘ “.

www.hamburg.de/contentblob/13721244/478958bdded12fd2f8ebc6769f327079/data/2020-03-15-pdf-allgemeinverfuegung.pdf: Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus in Hamburg. „Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ist hochinfektiös … Der Senat hat der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz … am 11. März 2020 die Zuständigkeit für den Erlass von Allgemeinverfügungen gemäß § 28 Absatz 1 des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) zur Verhinderung der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 und COVID-19 nach § 42 Satz 4 Bezirksverwaltungsgesetz in Verbindung mit § 1 Absatz 4 des Gesetzes über Verwaltungsbehörden übertragen. Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz trifft auf dieser Grundlage im Einvernehmen mit … [9 Behörden] … und der Senatskanzlei in Ergänzung der Allgemeinverfügung über das Verbot von Veranstaltungen und Versammlungen zur Eindämmung des Coronavirus vom 12. März 2020 für das gesamte Gebiet der Freien und Hansestadt Hamburg folgende Allgemeinverfügung

  • 1. Soweit nachstehend nichts anderes bestimmt ist, sind öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen, bei denen es zu einer Begegnung von Menschen kommt,sowie Versammlungen unabhängig von der Zahl der Teilnehmenden untersagt. Ausgenommen von dieser Untersagung sind Veranstaltungen der Bürgerschaft, des Senats …, des Verfassungsgerichts, der Gerichte, der Fachbehörden, der Bezirksämter, anderer Hoheitsträger … sowie anderer Stellen oder Einrichtungen, die öffentlich-rechtliche Aufgaben wahrnehmen. Ausgenommen von der Untersagung sind zudem Veranstaltungen, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der öffentlich-rechtlichen Leistungserbringung, der Versorgung der Bevölkerung oder der Gesundheitsfürsorge der Bevölkerung dienen …
  • 2. Gewerbebetriebe im Sinne der Gewerbeordnung … der folgenden Arten dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden:a) Tanzlustbarkeiten (wie z.B. Clubs, Diskotheken, …), b) Messen, Ausstellungen, c) Spezialmärkte und Jahrmärkte, d) Volksfeste, e) Spielhallen, f) Spielbanken … und ähnliche Unternehmen. Es wird darauf hingewiesen, dass Wochenmärkte im Sinne der Gewerbeordnung von der Untersagung nicht erfasst sind.
  • 3. Gaststätten im Sinne des Gaststättengesetzes … dürfen nur für den Publikumsverkehr geöffnet werden, wenn die Plätze für die Gäste so angeordnet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist …
  • 5. Folgende Einrichtungen oder Angebote dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden: a) Theater (einschließlich Musiktheater), b) Filmtheater (Kinos), c) Konzerthäuser und -veranstaltungsorte, d) Museen, e) Ausstellungshäuser, f) Angebote in Stadtteilkulturzentren und Bürgerhäusern, g) Angebote der offenen Kinder und Jugendarbeit, h) öffentliche Bibliotheken, i) Planetarien, j) zoologische Ausstellungen in geschlossenen Räumen, k) Angebote von Volkshochschulen, l) Angebote von Sprach- und Integrationskursen der Integrationskursträger, m) Angebote von Musikschulen, n) Angebote in Literaturhäusern, o) Angebote privater Bildungseinrichtungen, p) Schwimmbäder …, q) Saunas und Dampfbäder, r) Fitness- und Sportstudios, s) Seniorentreffpunkte, t) Mensen und Cafés …
  • 6. Der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen ist untersagt. Dies gilt sowohl für Sportanlagen im Freien als auch in geschlossenen Räumen …
  • 7. Prostitutionsstätten im Sinne des Prostituiertenschutzgesetzes … dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden.
  • 10. Diese Allgemeinverfügung gilt zunächst bis einschließlich 30. April 2020.

Begründung [generell] … Die Beschränkungen unter Ziffern 1 bis 7 sind erforderlich, um nach dem Stand der medizinischen Erkenntnisse besonders vulnerable Personengruppen vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen. Wegen der dynamischen Ausbreitung … sind bei der Entscheidung die medizinalfachlichen und epidemiologischen Erkenntnisse zu berücksichtigen, dass bei Menschenansammlungen die latente und erhöhte Gefahr einer Ansteckung besteht. Die unter Ziffern 1 bis 7 aufgeführten Beschränkungen tragen dem Schutz der Bevölkerung Rechnung, da sie eine Ansteckung einer größeren Anzahl von Menschen zumindest verzögern können. Die dadurch zu erreichende Verzögerung des Eintritts von weiteren Infektionen ist erforderlich, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten und die erforderlichen Kapazitäten für die Behandlung der Erkrankten, aber auch sonstiger Krankheitsfälle bereit zu halten.

Begründung zu Ziffer 1-11


SZ-Titelstories

  • Hermann, B (SZ, 12.3.20): Merkel: Wir müssen Zeit gewinnen. Erstmals äußert sich die Kanzlerin ausführlich zur Corona-Epidemie. Ziel sei, die Ausbreitung zu verlangsamen. Gesundheitsminister Spahn lehnt flächendeckende Schließung von Schulen ab. sueddeutsche.de/politik/coronavirus-merkel-wir-muessen-zeit-gewinnen-1.4840925
  • Schwinn, M (SZ, 13.3.20): Welt im Fieber. Immer mehr Grenzen und Schulen werden geschlossen., die Kurse an den Börsen stürzen weiter ab. Um die Folgen des Coronavirus einzudämmen, sehen sich viele Staaten zu scharfen Maßnahmen gezwungen. sueddeutsche.de/politik/coronavirus-welt-im-fieber-1.4842417
  • Kristiana, L (SZ, 14.3.29): Die Verwundbarsten. Warum Schulschließungen vor allem diejenigen schützen sollen, die am meisten gefährdet sind: Alte und Kranke. „… Besonders schwierig … wird es für diejenigen, die in dieser Krise schon jetzt unter dem größten Druck stehen: die Mitarbeiter des Gesundheitswesens … Während sich … in ganz Deutschland die Schulen, Kongresshallen und Büros leeren, beginnt für das medizinische Personal ein Arbeiten unter Hochdruck.“
  • SZ, 14.3.20 [Verweise auf der Titelseite]: Unsichtbarer Feind. Das Coronavirus versetzt die Welt in Alarm. Die Folgen werden immer dramatischer … (i) So geht es weiter – Kinderbetreuung, Schulschließung, Verwandtenbesuch, Home-Office. Ein Wegweiser durch die kommenden Wochen … (ii) So hält man es zu Hause aus – Streaming, Musik und Spiele, die die Zeit vertreiben und Familien zusammenbringen … (iii) So war es schon mal – Seit Jahrtausenden versucht man, ansteckende Kranke zu isolieren – oft auf grausame Weise. Sieben historische Beispiele …

SZ, Weiteres

  • Linnartz, M (SZ, 12.3.20, p.8): Schützt dir Großeltern! Das Kind ist krank, jetzt muss Oma ran – dieses Grundprinzip funktioniert in der Corona-Krise nicht mehr. Warum genau darin eine Chance liegen könnte. „Corona-Ferien … so ziemlich das Gegenteil … von Ferien, nämlich: eine Zerreißprobe … Über Whatsapp-Gruppen geben Eltern einander Tipps gegen den Lagerkoller … … Diskussionen angeschoben …, die überfällig sind: Was bedeutet familienfreundliches Arbeiten wirklich? …“
  • SZ, 12.3.20, p.9: Die Künste in Zeiten des Virus. Noch nie zuvor ist das Kulturleben in Friedenszeiten und demokratischen Ländern so umfassend eingeschränkt worden … (Etho) Oberammer-GAU …Die Passionsspiele in Oberammergau … 1634 als Einlösung eines Versprechens nach einer überstandenen Pestepidemie das erste Mal aufgeführt. Seit 1680 gilt ein zehnjähriger Aufführungsrhythmus, der in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung erhalten könnte … Massenszenen sind zur Zeit von den Proben ausgesetzt … guter Dinge, dass das Wunder auch in diesem Jahr eintritt.
  • Uhlman, B (SZ, 13.3.20, p.6): Ohne Beispiel. Noch nie ist das moderne soziale Leben so eingeschränkt worden: Was Abschottung bringt. „… Abschottung … ist selbst bei großen gesundheitlichen Notlagen ein heikles Thema. Es verlangt, zwei Aspekte gegeneinander abzuwägen: den Nutzen für die Gesundheit einerseits und die ökonomischen wie sozialen Risiken andererseits. Beides ist derzeit nur schwer abzuschätzen. … Erfahrungswerte aus den vergangenen Jahrzehnten gibt es nicht …“
  • Fischhaber, A et al. (SZ, 14.3.20, p.10): Es rappelt in der Kiste. Fünf Wochen keine Schule, keine Kita: Wie sollen Eltern jetzt daheim arbeiten und gleichzeitig die Kinder bespaßen? „…Plan machen … Und zwischendurch: Disco … Singen macht glücklich … Mit Essen spielt man … Fenster bemalen … Pizza-Spiel … Von der Rolle … Eier. Wir brauchen Eier! … Sinnvolles tun … Urlaub daheim …“
  • Babayigit, G et al (SZ, 14.3.20, S.11-13): Geschlossene Gesellschaft. In dieser Woche ist die Corona-Krise endgültig im Alltag der Deutschen angekommen. Chronik einer Überwältigung. [Bildunterschrift:] Was macht die Angst mit uns? Auf absehbare Zeit wird das Leben ein anderes sein.
  • Fromm, T et al. (SZ, 14.3.20, p.23): Wie Lehmann, nur gefährlicher. Ein Vergleich mit der Finanzkrise 2008 zeigt, dass das Coronavirus für die Wirtschaft eine große Bedrohung ist: Die Notenbanken können nicht viel tun. Und es gibt diesmal nicht nur einen Brandherd, sondern unzählige.
  • Stadler, R (SZ, 14.3.20, p.55): In den Häusern der Siechen. Die Ausbreitung des Coronavirus zeigt: Selbst moderne Gesellschaften tun sich sehr schwer damit, eine Quarantäne zu verhängen. Der Versuch, ansteckende Kranke zu isolieren, ist jahrtausendealt – und war oft sehr grausam. Sieben Beispiele. [i] „So viel Hässlichkeit“: Die Leprakolonie, [ii] „Denen Elenden nichts“: Das Siechenhaus, [iii] 40 Tage vor dem Hafen: Venedig 1377, [iv] „Pesthöhlen und Brutstätten“: Die Cholera in Hamburg 1892, [v] Die Freiheitsstatue vor Augen: Ellis Island, [vi] „Mogens krank, abends tot“: Die Spanische Grippe 1918/19, [vii] „Wir durften nichts mitnehmen“: Die Pocken im Sauerland 1970.

11 Mar 2020, Φ Coronavirus (II) und StadtGesundheit

11.3.2020 Coronavirus COVID-19 (Post II) und StadtGesundheit

Durch das Coronavirus COVID-19 beherrscht „Gesundheit“ gegenwärtig die Schlagzeilen der Medien; siehe bspw. Conradi M (SZ, 10.3.2020): „Land im Ausnahmezustand. Erste Tote in Deutschland, Kurssturz an den Börsen, Fußballspiele ohne Fans im Stadion und geschlossene Schulen. Wie das Coronavirus das Leben verändert“, www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-im-ausnahmezustand-1.4837899 und Uhlman B (SZ, 11.3.2020): „Die große Leere. Veranstaltungen in Deutschland und vielen Ländern werden abgesagt. Die Angst vor der Ausbreitung des Coronavirus lähmt das öffentliche Leben auf der ganzen Welt“.

Die aktuelle Popularität des Themas „Gesundheit“ gründet sich auf eine Epidemie mit rasch wachsenden Zahlen von Erkrankungs- und Todesfällen in zahlreichen Ländern der Erde. Sie ist mit Leiden, Einschränkungen und Verunsicherungen verbunden. Das volle Ausmaß der Folgewirkungen der Epidemie dürfte sich erst nach und nach abschätzen lassen.

Unabhängig davon illustrieren die letzten Wochen in dramatischer Weise, wie „Gesundheit“ in kürzester Zeit zu einem beherrschen Thema für Individuum, Gesellschaft und unterschiedlichste Lebensbereiche werden kann. Hier folgt eine provisorische Einordnung aus Sicht von StadtGesundheit, anknüpfend an die zwei ersten Bände unserer Edition „Nachhaltige Gesundheit in Stadt und Region“.

Schon jetzt ist erkennbar, dass diese COVID-19 Epidemie das ganze Spektrum unterschiedlicher Gesundheitsperspektiven (vgl. Editionsband 1, p.60ff): zum Tragen bringt:

  • biomedizinisch: hier stehen im Mittelpunkt Virologie, Hygiene, Diagnostik, Bemühen um Immunisierung und Therapie, Rolle von Alter und Co-Morbidität.
  • gesundheitssoziologisch: Auswirkungen der Epidemie betreffen diverse soziale und gesellschaftliche Einrichtungen, alle Lebenswelten, unterschiedlichste Zusammenkünfte und Unternehmungen; (amtliche) Empfehlungen werden ausgesprochen; Alternativen zur Präsenz am Arbeitsplatz werden in großem Umfang erprobt.
  • gesundheitspsychologisch: die Epidemie verursacht Sorgen und Ängste – um eigene Gesundheit, um Familienangehörige und befreundete Personen; sie beeinflusst u.a. das persönliche (Hygiene-) Verhalten, Ortsbewegung/Reiseverhalten, Bevorratung; zu mehreren dieser Aspekte liegen ebenfalls (amtliche) Empfehlungen vor.
  • gesundheitsökonomisch: Diagnose-/Behandlungs-/Versorgungkosten lassen sich noch nicht abschätzen; die wirtschaftlichen Folgewirkungen, u.a. durch Produktionsausfälle, werden bedeutend sein.
  • human-ökologisch: diese integrierende Gesundheitsperspektive versucht, dem komplexen und fragilen Verhältnis zwischen Mensch, Gesundheit und Umwelt gerecht zu werden. Ausdrücklich geht es bei diesem Ansatz auch um „die vielfältigen Folgewirkungen von Gesundheit und Krankheit auf den einzelnen Menschen, seine Umwelt und die Gesellschaft“ (pp.66-67).

Dieser humanökologische Blick auf Gesundheit und Krankheit, der ja auch der bekannten Ottawa-Charta von 1986 zugrunde liegt, liefert die Grundlage für (Nachhaltige) StadtGesundheit. Er dürfte auch helfen, die verschiedenen Dimensionen der COVID-19 Epidemie und die Wucht ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verstehen.

Stadtsektoren, Gesundheit und Nachhaltigkeit

Konstituierende Elemente von Nachhaltiger StadtGesundheit sind Blickfelderweiterung und Brückenbau. Unter der Überschrift Blickfelderweiterung liegt besonderes Augenmerk auf den Stadtsektoren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet in diesem Sinne das Konzept „Gesundheit in allen Politikbereichen“ („Health in all Policies“). Dieses wird oftmals allein auf die förderlichen oder hemmenden Einfl üsse bezogen, die die unterschiedlichen Politikbereiche auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Was hier fehlt sind die Auswirkungen von (eingeschränkter) Gesundheit für Bereiche wie Bildung, Arbeit und Mobilität. Die Verflechtung von Gesundheit mit allen Politikbereichen gilt real in beiden Richtungen: auf Gesundheit und von Gesundheit (Fehr & Hornberg 2017). Die Stadtsektoren mit ihren unterschiedlichen „Policies“ üben einerseits vielfältige Einflüsse auf Gesundheit aus und bekommen gleichzeitig die Auswirkungen gesundheitlicher Einschränkungen zu spüren.

Bd01_p139Im Editionsband 1 ist in der umfangreichen Tabelle 6.1 (pp.139-141) exemplarisch angesprochen, wie sich Gesundheit (und ihr Fehlen) auf Stadtsektoren auswirken kann. Hier ist die Vielfalt der Bezüge zu den 18 dargestellten Sektoren deutlich erkennbar. Die aktuelle COVID-19 Epidemie macht klar, wie außerordentlich weitreichend diese Auswirkungen sein können, u.a. für die (dargestellten) Stadtsektoren Arbeitswelt, (Stadt-)Ökonomie, Bildung und Erziehung, Freizeit, Justiz, Kommunikation, Soziales, Sport, Verbraucherschutz und Verkehr.

Im Editionsband 2 kommen u.a. Öffentlicher Gesundheitheitsdienst (Kap. 3.4), Hafen- und Flughafenärztlicher Dienst (in Kap. 3.5) und Präventive Infekt(i)ologie (Kap. 6.7) zur Sprache. Das Gesundheitsamt „setzt … Bundesgesetze wie das Infektionsschutzgesetz um und stellt bei infektiösen Lagen … nicht nur den ersten Ansprechpartner dar, sondern trägt auch zur Krisenbewältigung bei … Der Bereich des Infektionsschutzes stellt einen elementaren Bestandteil im Aufgabenspektrum eines Gesundheitsamtes dar” (p.137). Im hafen- und flughafenärztliche Dienst ist es „notwendig, … neue Infektionserreger wie SARS … zu erkennen“ (p.147). „Infektionskrankheiten sind wegen ihrer Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch (oder auch von Tier zu Mensch) traditionell besonders gefürchtet, tragen auch in Europa weiterhin zur Krankheitslast bei und dürften diese Rolle ungeachtet gewisser Verschiebungen in absehbarer Zukunft nicht verlieren“ (p.315).

Vorläufiges Fazit:

  • Infektionskrankheiten bleiben ein ernstzunehmendes Thema für die Menschheit; von einer vollständigen Verdrängung durch chronische Krankheiten kann (auch z.B. in Mitteleuropa) nicht die Rede sein. Programme der Prävention, Gesundheitsförderung und -bildung sowie StadtGesundheit benötigen auch infektionsprophylaktische Elemente.
  • Eine Epidemie wie diese COVID-19 bezogene kann für das Versorgungssystem zur bedeutenden Herausforderung werden, u.a. durch Erkrankung (oder auch nur Quarantäne) von medizinischem und Pflegepersonal sowie durch Schließung von Kindergärten und Schulen mit Folgewirkungen auch für kritisch benötigtes Personal.
  • Eine integrierende, human-ökologische Gesundheitsperspektive, wie sie der Konzeption von StadtGesundheit zugrunde liegt, kann helfen, die vielfältigen gesellschaftlichen Auswirkungen der CORVID-19 Epidemie zu verstehen. Gleichzeitig gibt diese Epidemie Anlass zum „Nacharbeiten“, bspw. zur weiteren Verdeutlichung der Auswirkungen von fehlender bzw. gefährdeter Gesundheit auf die Gesellschaft.

Lit.

  • Fehr, R., Hornberg, C. (2017): Brückenbau für Nachhaltige StadtGesundheit. „Stadtpunkte-Thema“ der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung (HAG): „Gesundheitsförderung und Prävention in der Kommune“, Ausgabe 02, Nov. 2017, pp.3-5, hag-gesundheit.de/uploads/docs/1687.pdf
  • Fehr R, Hornberg C (Hrsg.) (2018): Stadt der Zukunft – Gesund und nachhaltig. Brückenbau zwischen Disziplinen und Sektoren. Edition Nachhaltige Gesundheit in Stadt und Region, Band 1. Oekom Verlag, München, ISBN 978-3-96238-074-8, oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/nachhaltige-stadtgesundheit-hamburg.html, mit Kapitel 6: Nachhaltige StadtGesundheit als “Blickfelderweiterung” und “Brückenbau” (pp.131-167)
  • Fehr R, Trojan A (Hrsg.) (2018): Nachhaltige StadtGesundheit Hamburg. Bestandsaufnahme und Perspektive. Edition Nachhaltige Gesundheit in Stadt und Region, Band 2. Oekom Verlag, München, ISBN 978-3-96238-059-5, oekom.de/nc/buecher/gesamtprogramm/buch/nachhaltige-stadtgesundheit-hamburg.html

11 Mar 2020, Φ Coronavirus (I)

11.3.2020 Coronavirus COVID-19 (Post I)

Autoritative Quellen für aktuelle Informationen zum Thema:

Robert-Koch-Institut (RKI), www.rki.de

European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), www.ecdc.europa.eu/en

Inkl. Factsheet for health professionals on Coronaviruses, www.ecdc.europa.eu/en/factsheet-health-professionals-coronaviruses

Weltgesundheitsorganisation, Regionalbüro Europa (WHO-Euro), www.euro.who.int

Weltgesundheitsorganisation (WHO), www.who.int/

Coronavirus disease (COVID-19) outbreak, /www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019, inkl. Protect yourself; Your questions answered; Travel advice; Situation reports; Media resources; Technical guidance (e.g., “Home care for patients with suspected novel coronavirus (COVID-19) infection presenting with mild symptoms, and management of their contacts – Interim guidance”); Research and Development


Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg (BGV), www.hamburg.de/bgv

Informationen zum Coronavirus, www.hamburg.de/coronavirus/13429836/informationen/: „… am 27. Februar wurde der erste Fall in Hamburg bestätigt …“

Empfehlungen für Veranstaltungen in Hamburg, www.hamburg.de/coronavirus/13701520/empfehlungen-veranstaltungen/. Hier erläutert die BGV, dass je nach Form, Art und Größe der Veranstaltung zum Schutz der Gesundheit der Teilnehmenden eine Änderung, Verschiebung oder Absage gerechtfertigt sein kann; dabei wird u.a. Folgendes hervorgehoben (Wiedergabe in Auswahl):

  • Die Veranstalter haben die Teilnehmenden durch Aushänge und Durchsagen aktiv darauf hinzuweisen, dass diese von einem Besuch der Veranstaltung absehen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, darunter aktuelle erkältungsähnliche Symptome, oder kürzlicher Aufenthalt in definierten Risikogebieten.
  • Bei Durchführung der Veranstaltung werden bestimmte Maßnahmen empfohlen, darunter Aushang von Infobögen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Hygienischen Händewaschung, Sicherstellung der Nachbefüllung von Seifenspendern und Einmalhandtüchern, Intensivierung der Flächen- und Raumreinigung und angemessene Belüftung des Veranstaltungsortes.
  • Für Teilnehmende wird empfohlen, Hust- und Nies-Etikette einzuhalten, anderen Personen nicht die Hand zu geben und ausreichend Abstand zu anderen Personen zu halten.

23 Feb 2020, Hamburg: Bürgerschaftswahl

23.2.2020, Hamburg: Bürgerschaftswahl

Braun S (25.2.2020): Trümmer sichten mit der Chefin … SZ Nr. 46 (2020), p.2: Nach der Wahl in Hamburg. Die CDU-Spitze muss ein historisch schlechtes Wahlergebnis kommentieren, die SPD freut sich trotz deutlicher Verluste, und die FDP bemüht sich noch einmal um deutlichste Abgrenzung zur AfD …

[Diagramm] Bürgerschaftswahl in Hamburg. Vorläufiges amtliches Endergebnis. Wahlbeteiligung 63.3 %. Anteil an den Landesstimmen in Prozent: SPD 39.2, Grüne 24.2, CDU 11.2, Linke 9.1, AfD 5.3, FDP 4.9.

Bestes Ergebnis der SPD: Billstedt 51.6%, der Linken: Kleiner Grasbrook, Steinwerder 43.6%, der Grünen: Sternschanze 40.9%.

Vgl. Bürgerschaftswahl 2015: 15.2.2015.