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The posts relate to the field of human ecology and health, e.g. urban life and urban health, in subjective selection and interpretation / Die Notizen betreffen das weite Themenfeld Humanökologie & Gesundheit wie z.B. Stadtleben und Stadtgesundheit, in subjektiver Auswahl und Interpretation.

Topics include site visits; attendance of meetings, conferences, and exhibitions; as well as a mélange of other issues / Aufgenommen sind Feldbegehungen; Teilnahmen an Arbeitstreffen und Konferenzen; Besuch von Ausstellungen; und eine bunte Mischung weiterer Themen.

Posts more closely related to Public Health are marked with “Φ in the headline / Notizen mit besonders deutlichem Bezug zu Public Health sind mit “Φ” in der Überschrift markiert.

Current coverage: Jan 2006 onwards; plus selected earlier entries 1954ff / Zeitraum: seit Jan. 2006, plus ausgewählte frühere Einträge 1954ff.

13 Nov 2020, Heinrich Heine (1844): Deutschland – ein Wintermärchen

13.11.2020, Heinrich Heine (1844): Deutschland – ein Wintermärchen

Quelle: Klaus Briegleb (Hg.) (1976). Heinrich Heine. Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Band 7: 1837-1844. Reihe Hanser Werkausgabe 220/7, S.571-644.

  • p.577-9, Caput I: Im traurigen Monat November wars, / … / … / Da reist ich nach Deutschland hinüber …
  • p.579-80 Caput II: … Die Contrebande, die mit mir reist, / Die hab ich im Kopfe stecken …
  • p.592-5 Caput VII: … Man ruht in deutschen Betten so weich, / Denn das sind Federbetten …“
  • p.600-2 Caput XI: Das ist der Teutoburger Wald, / Den Tacitus beschrieben, / Das ist der klassische Morat, / Wo Varus stecken geblieben …
  • p.605-6 Caput XIII: … Und liebend bewahrte dich die Zensur / Vor dem Gekreuzigtwerden …
  • p.613-6 Caput XVI: … Das beste wäre, du bliebest zu Haus, / Hier in dem alten Kyffhäuser – / Bedenk ich die Sache ganz genau, / So brauchen wir gar keinen Kaiser.
  • p.623-5 Caput XXI: Die Stadt, zur Hälfte abgebrannt, / Wird aufgebaut allmählig; / Wie’n Pudel, der halb geschoren ist, / Sieht Hamburg aus, trübselig …

Zum „Wintermärchen“ Heine in einem Brief an seinen Verleger Campe (Briegleb, Bd. 8, p.1016): „Es ist ein gereimtes Gedicht, welches … die ganze Gährung unserer deutschen Gegenwart, in der kecksten, persönlichsten Weise ausspricht. Es ist politischromantisch …“ Quelle: Klaus Briegleb (Hg.) (1976). Heinrich Heine. Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Band 8: Kommentar zu Band 7. Reihe Hanser Werkausgabe 220/7.


Deutschland. Ein Wintermärchen, https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland._Ein_Winterm%C3%A4rchen:ein satirisches Versepos … Der Untertitel Ein Wintermärchen spielt an auf William Shakespeares Alters-Romanze The Winter’s Tale (1623) … Unzufrieden mit den politischen Verhältnissen im Deutschland …, die ihm als getauftem Juden keine Möglichkeit für eine juristische Tätigkeit boten, und auch um der Zensur zu entgehen, emigrierte Heine 1831 nach Frankreich … Ende 1843 kehrte er noch einmal für wenige Wochen nach Deutschland zurück, um … seinen Verleger Julius Campe in Hamburg zu besuchen. Auf der Rückreise entstand … der erste Entwurf … Sein … Verleger … fand das Werk von Anfang an zu radikal und warnte seinen Schützling: „Sie werden viel für diese Gedichte zu leiden haben …” War das Werk jahrzehntelang als antideutsches Pamphlet … verpönt, so gilt es heute als bewegendes lyrisches – und teilweise visionäres – Zeugnis des Exilanten und Emigranten Heinrich Heine, in dem er nicht zuletzt den Untergang Preußens durch dessen Militarismus vorausahnt …

28 Oct 2020, Heinrich Heine (1833): Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski

28.10.2020, Heinrich Heine (1833): Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski

Heinrich Heine: Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Hrsgg. von Klaus Briegleb. Bd.1: 1817-1840. Reihe Hanser Werkausgabe 220/1, Hanser Verlag, München, pp.503-556.

p.508-509 (Kapitel III) Mein erster Ausflug, als ich Schnabelewops verließ, war nach Deutschland, und zwar nach Hamburg, wo ich sechs Monat blieb …

Die Stadt Hamburg ist eine gute Stadt; lauter solide Häuser … Der Geist Bankos herrscht überall in diesem kleinen Freistaate, dessen sichtbares Oberhaupt ein hoch- und wohlweiser Senat. In der Tat, es ist ein Freistaat und hier findet man die größte politische Freiheit … Es ist eine Republik … Seine Sitten sind englisch und sein Essen ist himmlisch … Mögen die christlichen Theologen dort noch so sehr streiten über die Bedeutung des Abendmahls; über die Bedeutung des Mittagmahls sind sie ganz einig …

Hamburg ist erbaut von Karl dem Großen und wird bewohnt von 80,000 kleinen Leuten …

p.510 … Zu den Merkwürdigkeiten der Stadt gehören: 1) Das alte Rathaus, wo die großen Hamburger Bankiers, aus Stein gemeißelt und mit Zepter und Reichsapfel in Händen, abkonterfeit stehen. 2) Die Börse, wo sich täglich die Söhne Hammonias versammeln, wie einst die Römer auf dem Forum … 3) … 4) Die ehemalige Zentralkassa. 5) Altona. 6) … 7) Der Eigentümer des Rödingschen Kabinetts. 8) Die Börsenhalle. 9) Die Bacchushalle, und endlich 10) das Stadttheater. Letzteres verdient besonders gepriesen zu werden …

p.525-527 (Kapitel VI) … Die Ufergegenden der Elbe sind wunderlieblich. Besonders hinter Altona, bei Rainville. Unfern liegt Klopstock begraben. Ich kenne keine Gegend wo ein toter Dichter so gut begraben liegen kann wie dort. AIs lebendiger Dichter dort zu leben, ist schon weit schwerer …

Den zweiten Tag gelangten wir nach Kuxhaven, welches eine hamburgische Kolonie. Die Einwohner sind Untertanen der Republik und haben es sehr gut … Als Prokonsul residiert dort ein hoch- und wohlweiser Senator … Ein großer Damm, worauf man spazieren gehen kann, führt nach Ritzebüttel, welches ebenfalls zu Kuxhaven gehört. Das Wort kommt aus dem Phönizischen; die Worte „Ritze“ und „Büttel“ heißen auf phönizisch: Mündung der Elbe. Manche Historiker behaupten, Karl der Große habe Hamburg nur erweitert, die Phönizier aber hätten Hamburg und Altona gegründet und zwar zu derselben Zeit als Sodom und Gomorra zu Grunde gingen. Vielleicht haben sich Flüchtlinge aus diesen Städten nach der Mündung der Elbe gerettet …

[Buchrücken: „Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben … Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag“ … Friedrich Nietzsche, 1888]

3 Aug 2020, Φ Projekt „Gesunde Orte – Therapeutische Landschaften“, mit Stellenausschreibungen der Med. Fakultät (U Bielefeld)

3.8.2020, Projekt „Gesunde Orte – Therapeutische Landschaften“, mit Stellenausschreibungen der Med. Fakultät (U Bielefeld)

In dem von der Peter Beate Heller-Stiftung geförderten Projekt „Gesunde Orte – Therapeutische Landschaften“ arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (darunter 7 Stipendiatinnen und Stipendiaten) der Universität Bielefeld, der Ruhr Universität Bochum und der Freien Universität Bozen (Südtirol) zusammen, www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/medizin/fakultaet/arbeitsgruppen/ag1-environment/ag1-forschung/index.xml.

“Das Konzept der ‘Therapeutischen Landschaften’ hebt die heilende Wirkung von Umwelten sowie Orten zur Erholung von Krankheit bzw. deren Einfluss auf die psychische oder mentale Gesundheit hervor … Die Juniorforschungsgruppe … untersucht die Lebensumwelten von psychisch erkrankten Menschen im Setting psychiatrischer Einrichtungen in Deutschland … Potenziale und Risiken von Therapieräumen im Inneren der Kliniken und begrünte Außenanlagen werden als Therapeutische Landschaften untersucht. Auch virtuelle Landschaften sind … Gegenstand der Untersuchung.”

Beteiligungen: Prof. Dr. med. Claudia Hornberg; Diplom-Biologin, Diplom-Ökologin (Projektleitung) und Dr. PH. Timothy McCall (Projektkoordinator & Leiter der Juniorforschungsgruppe), beide: Universität Bielefeld, Medizinische Fakultät OWL, AG 1 Sustainable Environmental Health Sciences; PD Dr. med. Christine Norra, Ärztliche Direktorin LWL-Klinik Paderborn, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät/ LWL-Universitätsklinikum Bochum; Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Stefan Zerbe, Freie Universität Bozen, Fakultät für Naturwissenschaften und Technik; Kooperation mit Akteurinnen und Akteuren der LWL-Kliniken Paderborn und Gütersloh. Laufzeit: 1.3.2020-31.8.2023.

Aktuell sind an der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld drei Promotionsstipendien ausgeschrieben zu folgenden Themen:

sowie ein Postdoktorandenstipendium.

31 Jul 2020, Φ Coronavirus (XI)

31.7.20, Coronavirus (XI)

Diverse Quellen – Süddeutsche Zeitung (SZ): Titelstories – SZ sonst

Diverse Quellen inkl. Dt. Ärzteblatt

Süddeutsche Zeitung (SZ): Titelstories

  • [1.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • [2.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • [3.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Cassidy A (SZ, 4.7.20): In Trümmern. Die Corona-Epidemie außer Kontrolle, die Wirtschaft am Boden, die gesellschaftliche Stimmung historisch schlecht: Amerika zahlt den Preis für Trumps Präsidentschaft.
  • [6.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Stegemann J (SZ, 7.7.20): Gericht kippt Corona-Regeln. Die Einschränkungen für den Kreis Gütersloh seien unverhältnismäßig, so die Richter. Forderungen, die Maskenpflicht zu lockern, erteilt die Bundesregierung eine Absage.
  • Finke B, Meiler O (SZ, 8.7.20): Rezession in Europa starker als erwartet. In der EU könnte die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 8,3 Prozent sinken. Italien plant ein gewaltiges Reformpaket, um die Folgen der Pandemie abzufedern und das Land zu modernisieren.
  • Beisel KM et al (SZ, 9.7.20): Merkel mahnt Europa zur Einheit. Demokratische Prinzipien dürften auch aufgrund der Pandemie nicht ausgehebelt werden, sagt die Kanzlerin in Brüssel. Die Krise könne nur durch Zusammenhalt überwunden werden.
  • [10.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Gasser H (SZ, 11.7.2020): Auf nach Deutschland. Für die meisten Länder Europas gilt keine Reisewarnung mehr, doch die Urlaubslust der Bundesbürger hält sich in Grenzen. Viele sind unsicher, was sie am Ferienort erwartet.
  • [13.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • [14.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Schneider J, Stegemann J (SZ, 15.7.20): Merkel und Söder für Ausreiseverbote. Bei lokalen Corona-Ausbrüchen könnte Bürgern untersagt werden, ihre Region zu verlassen. Ein Funke reicht, um ein großes Feuer zu entfachen“, sagt der CSU-Chef zur Begründung.
  • [16.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • [17.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • [18.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Finke B et al. (SZ, 20.7.20): Streit ums Geld entzweit Europa- Auch nach dreitägigen Verhandlungen können sich die Staats- und Regierungschefs der EU zunächst nicht auf einen 750-Milliarden-Fonds für den Kampf gegen die Corona-Krise einigen.
  • Finke B et al. (SZ, 21.7.20): Corona-Hilfen fallen kleiner aus. Klar ist auf dem Sondergipfel in Brüssel zunächst nur eines: Die Zuschüsse der EU zur Linderung der Krise werden viel geringer sein, als Deutschland und Frankreich das anstrebten.
  • Finke B et al. (SZ, 22.7.20): Ein Plan für Europa. Die Erwartungen an den historischen Kompromiss von Brüssel sind immens. Doch nun geht der Streit woanders weiter.
  • [23.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • [24.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Deuber L et al. (SZ, 25.7.20): Am Tiefpunkt. Zwischen den USA und China gab es immer Feindschaft, Misstrauen – und gegenseitige Abhängigkeit. Aber so schlecht wie jetzt waren die Beziehungen lange nicht mehr.
  • [27.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Rossbach H et al. (SZ, 28.7.20): Spahn will Testpflicht einführen. Alle Reisenden, die aus Corona-Risikogebieten zurückkehren, sollen auf das Virus getestet werden. Die Verordnung des Gesundheitsministers tritt in der kommenden Woche in Kraft.
  • Berndt C et al. (SZ, 29.7.20): „Die Entwicklung macht große Sorgen“. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts zeigt sich beunruhigt über die steigende Zahl der Corona-Infizierten. Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Nordspanien ab.
  • [30.7.20: Ohne Corona-Bezug]
  • Hagelüken A (SZ, 31.7.20): Deutsche Wirtschaft bricht ein. Noch nicht einmal in der Finanzkrise ist die Konjunktur hierzulande so stark zurückgegangen wie im letzten Vierteljahr. Auch die Vereinigten Staaten melden historisch schlechte Zahlen.

Süddeutsche Zeitung (SZ): sonst

  • Krass S (SZ, 3.7.20, S. 26 [München – Bayern] – Interview): „Wir sehnen uns nach der sinnlichen Stadt“. Neue Radwege, Biertische auf Parkplätzen und Sommer-Straßen: Stadtplanerin Agnes Förster sieht die Nutzung des öffentlichen Raums in der Corona-Krise als große Chance und wünscht sich noch mehr Experimente. „Es gibt neue temporäre Radwege an fünf Stellen in der Stadt. Überall werden Parkplätze zu Freischankflächen umgewandelt, und es soll bis zu 15 ,Sommerstraßen‘ geben, die vorübergehend für den Verkehr gesperrt werden … Förster erklärt, warum solche Experimente der Stadt gut tun … [Förster:] Ich glaube, dass die Münchner in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen ihre öffentlichen Räume noch mehr schätzen gelernt haben … Die Erfahrung mit so viel digitaler Welt … hat uns vor Augen geführt, wie sehr wir uns nach dem analogen Raum sehnen, wir sehnen uns nach der sinnlichen Stadt … dabei geht es nicht nur um Schönheit, sondern auch um Kommunikation … Die Menschen wollen ihre Stadt hegen und pflegen. Man sieht das ja an den Mini-Beeten … an Straßenrändern … Durch die Corona-Krise haben wir ein besonderes Klima, ein ‚window of opportunity‘. Das sollte man nutzen … [,pocket parks‘] … in den Stadtteil eingeflochtene Miniparks, wie kleine Oasen. In München … gibt es noch viele Flächen, die grün sind … im Duktus des Abstandsgrüns, also flacher Rasen, der keine Lebensqualität vermittelt … ich fände es gut, wenn man einen Plan macht, wie München seine Freiräume zurückerobert …“
  • Klute H (SZ, 4.7.20, S. 51): Abgespeckt. In der Krise entdecken viele Leute, dass man für ein gutes Leben viel weniger braucht, als man bisher dachte. Über den neuen Hedonismus, der den blinden Konsum ersetzt. „… Mit der Corona-Krise begann der große Kassensturz unserer Alltagswerte … der Zweifel am ungezähmten Genuss größer geworden … Zwei Elendsnarrative kamen zueinander in Gütersloh … die jede Ethik verleugnende, das Tier verdinglichende Serienschlachtung … die rücksichtslose Inanspruchnahme von Arbeitern … Gesundheit ist der neue soziale Soßenbinder … Mit fünfzig kann man es sich im Verzicht bequemer machen als mit zwanzig … Wenn wir klug sind, werden wir aus Corona … aus Tönnies und … der herkömmlichen Art, unsere Grillpartys zu veranstalten, Lehren ziehen … könnte ja dazu führen, dass wir bereit sind, wie … Emerson in seinem … Essay über die Natur schreibt, ‚Natur als Erscheinung und nicht als Substanz zu begreifen‘ …“
  • Berndt C et al. (SZ, 11.7.20, S. 35): Das Masken-Drama. Ein Mund-Nasen-Tuch schützt Menschen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2. Belege dafür gab es früh, doch Gesundheitsbehörden ignorierten sie lange. Das dürfte viele Leben gekostet haben.
  • Balser M (SZ, 16.7.20, S. 17): Bitte einsteigen! Nur wenige Menschen fahren wieder Bahn, zu groß ist die Angst vor dem Coronavirus. Nun will der Konzern nachhelfen, bestellt 30 neue ICEs und verspricht bessere Leistung – ja sogar Handyempfang.
  • Fromm T (SZ, 17.7.20, S. 17): Bleibt doch zu Hause. Mit Siemens zieht einer der größten deutschen Konzerne die Lehren aus der Corona-Krise: 140 000 Mitarbeiter dürfen künftig bis zu drei Tage die Woche daheim arbeiten. Das soll nicht die Mietkosten drücken, sondern im Fachkräfte-Wettbewerb mit Google und Apple helfen.
  • Uhlmann B (SZ, 20.7.20, S. 13 – Interview): „Kein Gesundheitssystem war vorbereitet“. WHO-Europa-Direktor Hans Kluge über Fehler und Unsicherheit im Umgang mit dem Corona-Virus und den anfänglichen Reflex vieler Staaten, sich vor allem selbst zu helfen. „Es muss künftig einen Krisenmechanismus geben, in den man sofort umschalten kann … Es sollte keine Debatte um Gesundheit versus Ökonomie geben. Es ist möglich, Covid-19 im Land zu haben und trotzdem Wirtschaft und Bildung aufrechtzuerhalten … Die WHO ist es gewohnt, Empfehlungen auf der Basis von Evidenz zu geben. Die Geschwindigkeit dieser Pandemie macht es jedoch nötig, auf der Grundlage unvollständiger Evidenz Rat zu geben. Das führt dazu, dass manche Empfehlungen mit der Zeit wieder angepasst werden. Die Menschen sagen dann: ‚Jetzt ändert die WHO schon wieder ihre Ansicht.‘“
  • Couzin-Frankel J et al (SZ, 24.7.20, S. 13): Auf oder zu? Überall auf der Welt ringen Schulen mit der Frage, wie man Kinder und Lehrer am besten vor der Pandemie schützt. Allmählich zeichnet sich ab, wie das gelingen kann, ohne auf Präsenzunterricht und soziale Kontakte zu verzichten. „Als sich im Frühjahr weltweit die Schultore schlossen, blieb eine atemberaubende Zahl von 1,5 Milliarden Schülerinnen und Schülern plötzlich zu Hause – als Teil der Beschränkungen, um die Bevölkerung vor dem neuen Coronavirus zu schützen. Vielerorts wirkten die drastischen Maßnahmen … Doch als aus einigen Wochen Monate wurden, äußerten Kinderärzte und Lehrer Bedenken … Fernunterricht ist … oft nur ein blasses Abbild echter Schulstunden. Viele Eltern mussten Jobs und Kinderbetreuung jonglieren. Lehrer und Betreuer konnten nicht mehr auf Anzeichen von Misshandlungen achten: Der Ruf … wurde lauter, die Kinder zurück in die Schule zu bringen. Und viele Länder haben das getan. Es ist ein gewaltiges, unkontrolliertes Experiment … Ob und welche dieser Maßnahmen wirkt, sollen regelmäßig wiederholte Tests in den Schulen zeigen. Drei solcher Studien haben in England, Berlin und in Bayern begonnen … Das Experiment „Schulöffnung“ geht … weiter … sieht es so aus, als ob eine Kombination von kleinen Schülergruppen, Masken und Abstand die Schulen und Gemeinden schützt … Dieser Text erschien im Original im Wissenschaftsmagazin Science. Übersetzung: Kathrin Zinkant -> Couzin-Frankel J, Vogel G, Weiland M (2020): School openings across globe suggest ways to keep coronavirus at bay, despite outbreaks. Science, 7 Jul 2020, sciencemag.org/news/2020/07/school-openings-across-globe-suggest-ways-keep-coronavirus-bay-despite-outbreaks: … The experiment will continue. Yet scientists lament that as before, it may not generate the details they crave about infection patterns and paths of transmission. “There just isn’t really a culture of research” in schools … Gathering data from schoolchildren comes with layers of complexity beyond those of traditional pediatric research. In addition to seeking consent from parents and children, it often requires buy-in from teachers and school administrators who are already overwhelmed by their new reality. Integrating research – the only sure way to gauge the success of their varied strategies – may be too much to ask.
  • Buchwald S (SZ, 24.7.20, S. 28 – München/Bayern – Interview): “Diese Krise beschleunigt viel“. Die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten der Menschen stark verändert, die Folgen sind auch in der Münchner Innenstadt zu spüren, wo immer mehr Geschäfte zusperren. Alain Thierstein, Professor für Stadtentwicklung, plädiert deshalb für einen radikalen Wandel … [Frage] Wollen die Kunden noch Parkplätze vor den Läden? [Antwort] Das ist ein Argument aus dem vergangenen Jahrhundert … Man weiß eigentlich: Überall, wo es gemischt genutzte Straßenräume gibt, geht der Umsatz hoch … Die Industrie- und Handelskammer, … Gewerbeverbände sind extrem … verzögernd. Die Transformation der Sendlinger Straße ist so ein Beispiel. Die kommt zehn Jahre zu spät … Das wichtigste Symbol des Neudenkens ist die Tatsache, dass das Oktoberfest ausfällt … wunderbar, weil endlich die alljährliche Selbstbeweihräucherung wegfällt … Das ist das Fanal, um endlich strategisch darüber nachzudenken, wohin man will.“
  • Meier M (SZ, 29.7.20): Ein Gespenst, das alles durcheinanderwirbelte. Vor anderthalb Jahrtausenden suchte eine Pest-Pandemie den Mittelmeerraum heim. Es war ein Stresstest für die soziale Ordnung. „Nur wenige Ereignisse vermögen das Vertraute, die alltäglichen Routinen und geläufigen Orientierungsmuster derart infrage zu stellen wie eine plötzlich ausbrechende Epidemie.“
  • Schulte von Drach MC (SZ, 31.7.20, S. 13): Erwünschte Nebenwirkungen. Wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus sind die Fälle anderer Infektionskrankheiten stark gesunken. Welche Lehren lassen sich daraus ziehen? „Die Maßnahmen gegen Infektionen mit dem Coronavirus haben nicht nur die Ausbreitung dieses Erregers gebremst … hatten auch einen starken Nebeneffekt: Seit der Einführung von Abstandsregeln und anderen Vorschriften hat das Robert Koch Institut … einen ,extrem ungewöhnlichen‘ Abfall der Häufigkeit von akuten Atemwegserkrankungen beobachte[t]. So war die Influenzasaison 2019/20 etwa zwei Wochen früher vorüber als erwartet … liegt es nahe, darüber nachzudenken, was sich aus der Coronapandemie zum Umgang mit Grippeviren lernen lässt. ,Es wäre zum Beispiel vernünftig, zumindest in der Grippesaison in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen eine Maskenpflicht einzuführen‘, sagt Thomas Mertens, Virologe an der Universität Ulm. Auch Personen, die privat oder beruflich viel mit Senioren zu tun haben, sollten in dieser Zeit im öffentlichen Nah- und Fernverkehr Masken tragen. ‚In vielen Ländern Asiens … gehört das Tragen von Masken in der Influenza-Saison in der Öffentlichkeit zur Gewohnheit und sozialen Pflicht …‘. Wieso sollte das nicht auch in Deutschland funktionieren?“