25 Feb 2021, Lawrence Ferlinghetti died 3 days ago, at age 101

25.2.2021, Lawrence Ferlinghetti died 3 days ago, at age 101

W.Winkler (SZ Nr.46, 25.2.21. S.11): Wo die Schönheit steht und wartet. Der Dichter, Verleger der Beat Generation und Gründer des City Lights Bookstore, Lawrence Ferlinghetti, ist gestorben.

https://www.theguardian.com/books/2021/feb/23/lawrence-ferlinghetti-obituary: Poet whose outlook spanned anarchism, ecology, publishing and the City Lights Bookstore in San Francisco … was the least “beat” of the Beat Generation … City Lights … “Pick a book, sit down, and read” …

www.rollingstone.de/lawrence-ferlinghetti-tot-beat-generation-howl-2245003/: Auch wenn sein Name untrennbar mit der Beat Generation verbunden ist: Er selbst sah sich dieser Gruppe … nicht unbedingt zugehörig. „Wenn überhaupt war ich einer der letzten Bohemians und nicht einer der ersten Beats“, erklärte er einmal gegenüber dem „Guardian“.


Ferlinghetti, Lawrence (1955/1995): Pictures of the gone world. The Pocket Poets Series, Number One. City Lights Books (261 Columbus Av.), San Francisco, CA 94133. Incl.: No.34 Surfers are poets too /…/ … They too are looking / for the perfect wave / …

Charters, Ann (ed.) (1993): The portable Beat reader. Viking Penguin, New York, NY: (p.245) … born in … New York … 1919 …doctoral dissertation at the Sorbonne on “The City as Symbol in Modern Poetry: In Search of a Metropolitan Tradition” … Ferlinghetti supported Castro’s revolution … (p.246) Dog, (p.248) Constantly risking Absurdity …


Cf.: 3-4 Sep 2012, San Francisco Beat poets.

12 Feb 2021, Camus, Albert (1947/1958): Die Pest

12.2.2021, Camus, Albert (1947/1958): Die Pest [La Peste]. rororo Taschenbuch Nr.15, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg. Übertragung ins Deutsche von G.G.Meister.

  • p.5 Oran … eine französische Präfektur an der algerischen Küste … Eine bewährte Art, eine Stadt kennenzulernen, besteht darin, herauszufinden wie ihre Bewohner arbeiten, wie sie lieben und wie sie sterben.
  • p.6 Oran … eine Stadt ohne Ahnungen, das heißt eine ganz moderne Stadt…
  • p.20 Dr. Rieux … Porträt … Er geht rasch. Er verlässt das Trottoir, ohne seinen Gang zu verlangsamen, macht aber zumeist einen kleinen Satz, wenn er das gegenüberliegende Trottoir betritt …
  • p.25 Wie hätten sie da an die Pest denken sollen, die der Zukunft, dem Reisen und dem Gedankenaustausch ein Ende macht?
  • p.41 … unsere Mitbürger … Die Pest … zwang sie, … Tag für Tag die Beute der enttäuschenden Spiele der Erinnerung zu werden …
  • p.69 … der alte Nachtwächter: „ … diese Schweinerei von einer Krankheit! Sogar die, die sie nicht haben, tragen sie im Herzen.“
  • p.71 … eine neue Zeitung entstanden: „Der Epidemiebote“ …
  • p.159 Es kann übrigens gesagt werden, dass die eigentliche Herrschaft der Pest in dem Augenblick zu Ende war, da für die Bevölkerung ein Fünklein Hoffnung wieder möglich wurde.
  • p.164 „… was heißt Rückkehr zu einem Leben?“ „Neue Filme im Kino“ …
  • p.171 Alles, was der Mensch im Spiel der Pest und des Lebens gewinnen konnte, waren Erkenntnisse und Erinnerung
  • p.182 Dr Rieux … wollte schlicht schildern, … dass es an den Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gibt.

Vorspann (p.2) „Zu diesem Buch“: Ohne in leichtfertigen Optimismus zu verfallen, versuchte er, das Element totaler Negation im Existenzialismus zu überwinden … der hier vorliegende … Roman … zeigt einen deutlich konstruktiven Pessimismus …

31 Dec 2020, RM Rilke (1910): Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

31.12.2020, RM Rilke (1910): Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

Reclams Universalbibliothek, Band 952. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig (1982). Mit einem Nachwort von Rainer Kirsch.

  • 11.September, Rue Toullier. … p.13 Und man hat niemand und nichts und fährt in der Welt herum … eigentlich ohne Neugierde … Hätte man doch wenigstens seine Erinnerungen … Wäre die Kindheit da, sie ist wie vergraben. Vielleicht muß man alt sein, um an das alles heranreichen zu können. Ich denke es mir gut, alt zu sein …
  • p.26 Bibliothèque Nationale. … Ich sitze und lese einen Dichter. Es sind viele Leute im Saal, aber man spürt sie nicht. Sie sind in den Büchern … Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein. Warum sind sie nicht immer so? …
  • p.93 … Graf Brahe … Was er … nicht vergessen wollte, das war seine Kindheit … es war ganz in der Ordnung, seiner Meinung nach, daß jene sehr entfernte Zeit nun in ihm die Oberhand gewann, daß sie, wenn er seinen Blick nach innen kehrte, dalag wie in einer hellen nordischen Sommernacht …
  • p.125 … Es muß dies eine von jenen Tagesfrühen gewesen sein, wie es solche im Juli gibt, neue, ausgeruhte Stunden … die Dinge schwingen ineinander hinüber und hinaus in die Luft … Da gibt es im Garten keine Hauptsache; alles ist überall … man müßte in allem sein, um nichts zu versäumen … „Wenn du doch wenigstens laut läsest, Leserich“, sagte Abelone …

p.179 Nachwort … p.188 … Arno Schmidt hat … vier aus … Grundmustern unserer Weise der Weltaufnahme … abgeleitete Techniken des Erzählens postuliert, die die klassischen ergänzen sollen; die Kurzbezeichnungen sind Foto, Löchriges Dasein, Traum und längeres Gedankenspiel … p.189 … verzichtet Rilke … auf eine quasidramatische = nacherzählbare Fabel und läßt den Leser das Bild einer Person – und einer Zeit – aus so disparaten wie aufeinander bezogenen Fotos, Ereignisflächen, Tagträumen und längeren Gedankenspielen zusammensetzen, wobei aus den Fugen tiefe Beunruhigung springt …

13 Nov 2020, Heinrich Heine (1844): Deutschland – ein Wintermärchen

13.11.2020, Heinrich Heine (1844): Deutschland – ein Wintermärchen

Quelle: Klaus Briegleb (Hg.) (1976). Heinrich Heine. Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Band 7: 1837-1844. Reihe Hanser Werkausgabe 220/7, S.571-644.

  • p.577-9, Caput I: Im traurigen Monat November wars, / … / … / Da reist ich nach Deutschland hinüber …
  • p.579-80 Caput II: … Die Contrebande, die mit mir reist, / Die hab ich im Kopfe stecken …
  • p.592-5 Caput VII: … Man ruht in deutschen Betten so weich, / Denn das sind Federbetten …“
  • p.600-2 Caput XI: Das ist der Teutoburger Wald, / Den Tacitus beschrieben, / Das ist der klassische Morat, / Wo Varus stecken geblieben …
  • p.605-6 Caput XIII: … Und liebend bewahrte dich die Zensur / Vor dem Gekreuzigtwerden …
  • p.613-6 Caput XVI: … Das beste wäre, du bliebest zu Haus, / Hier in dem alten Kyffhäuser – / Bedenk ich die Sache ganz genau, / So brauchen wir gar keinen Kaiser.
  • p.623-5 Caput XXI: Die Stadt, zur Hälfte abgebrannt, / Wird aufgebaut allmählig; / Wie’n Pudel, der halb geschoren ist, / Sieht Hamburg aus, trübselig …

Zum „Wintermärchen“ Heine in einem Brief an seinen Verleger Campe (Briegleb, Bd. 8, p.1016): „Es ist ein gereimtes Gedicht, welches … die ganze Gährung unserer deutschen Gegenwart, in der kecksten, persönlichsten Weise ausspricht. Es ist politischromantisch …“ Quelle: Klaus Briegleb (Hg.) (1976). Heinrich Heine. Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Band 8: Kommentar zu Band 7. Reihe Hanser Werkausgabe 220/7.


Deutschland. Ein Wintermärchen, https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland._Ein_Winterm%C3%A4rchen:ein satirisches Versepos … Der Untertitel Ein Wintermärchen spielt an auf William Shakespeares Alters-Romanze The Winter’s Tale (1623) … Unzufrieden mit den politischen Verhältnissen im Deutschland …, die ihm als getauftem Juden keine Möglichkeit für eine juristische Tätigkeit boten, und auch um der Zensur zu entgehen, emigrierte Heine 1831 nach Frankreich … Ende 1843 kehrte er noch einmal für wenige Wochen nach Deutschland zurück, um … seinen Verleger Julius Campe in Hamburg zu besuchen. Auf der Rückreise entstand … der erste Entwurf … Sein … Verleger … fand das Werk von Anfang an zu radikal und warnte seinen Schützling: „Sie werden viel für diese Gedichte zu leiden haben …” War das Werk jahrzehntelang als antideutsches Pamphlet … verpönt, so gilt es heute als bewegendes lyrisches – und teilweise visionäres – Zeugnis des Exilanten und Emigranten Heinrich Heine, in dem er nicht zuletzt den Untergang Preußens durch dessen Militarismus vorausahnt …

28 Oct 2020, Heinrich Heine (1833): Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski

28.10.2020, Heinrich Heine (1833): Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski

Heinrich Heine: Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Hrsgg. von Klaus Briegleb. Bd.1: 1817-1840. Reihe Hanser Werkausgabe 220/1, Hanser Verlag, München, pp.503-556.

p.508-509 (Kapitel III) Mein erster Ausflug, als ich Schnabelewops verließ, war nach Deutschland, und zwar nach Hamburg, wo ich sechs Monat blieb …

Die Stadt Hamburg ist eine gute Stadt; lauter solide Häuser … Der Geist Bankos herrscht überall in diesem kleinen Freistaate, dessen sichtbares Oberhaupt ein hoch- und wohlweiser Senat. In der Tat, es ist ein Freistaat und hier findet man die größte politische Freiheit … Es ist eine Republik … Seine Sitten sind englisch und sein Essen ist himmlisch … Mögen die christlichen Theologen dort noch so sehr streiten über die Bedeutung des Abendmahls; über die Bedeutung des Mittagmahls sind sie ganz einig …

Hamburg ist erbaut von Karl dem Großen und wird bewohnt von 80,000 kleinen Leuten …

p.510 … Zu den Merkwürdigkeiten der Stadt gehören: 1) Das alte Rathaus, wo die großen Hamburger Bankiers, aus Stein gemeißelt und mit Zepter und Reichsapfel in Händen, abkonterfeit stehen. 2) Die Börse, wo sich täglich die Söhne Hammonias versammeln, wie einst die Römer auf dem Forum … 3) … 4) Die ehemalige Zentralkassa. 5) Altona. 6) … 7) Der Eigentümer des Rödingschen Kabinetts. 8) Die Börsenhalle. 9) Die Bacchushalle, und endlich 10) das Stadttheater. Letzteres verdient besonders gepriesen zu werden …

p.525-527 (Kapitel VI) … Die Ufergegenden der Elbe sind wunderlieblich. Besonders hinter Altona, bei Rainville. Unfern liegt Klopstock begraben. Ich kenne keine Gegend wo ein toter Dichter so gut begraben liegen kann wie dort. AIs lebendiger Dichter dort zu leben, ist schon weit schwerer …

Den zweiten Tag gelangten wir nach Kuxhaven, welches eine hamburgische Kolonie. Die Einwohner sind Untertanen der Republik und haben es sehr gut … Als Prokonsul residiert dort ein hoch- und wohlweiser Senator … Ein großer Damm, worauf man spazieren gehen kann, führt nach Ritzebüttel, welches ebenfalls zu Kuxhaven gehört. Das Wort kommt aus dem Phönizischen; die Worte „Ritze“ und „Büttel“ heißen auf phönizisch: Mündung der Elbe. Manche Historiker behaupten, Karl der Große habe Hamburg nur erweitert, die Phönizier aber hätten Hamburg und Altona gegründet und zwar zu derselben Zeit als Sodom und Gomorra zu Grunde gingen. Vielleicht haben sich Flüchtlinge aus diesen Städten nach der Mündung der Elbe gerettet …

[Buchrücken: „Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben … Er besaß jene göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag“ … Friedrich Nietzsche, 1888]