31 Mar 1957, Schulklasse 3 (April 1956 – März 1957): Gemeinschaftskunde-Heimatkunde

31.3.1957, Schulklasse 3 (April 1956 – März 1957): Gemeinschaftskunde-Heimatkunde

In Schulklasse 3 und 4 (1956-1958) der ko-edukativen Grundschule „Schule am Waffenplatz“ hatten die Schüler*innen zum Thema Gemeinschaftskunde/Heimatkunde ein persönlichesSammelheft anzulegen. Die Blätter meines Heftes sind im DIN A4-Querformat teils einseitig und teils beidseitig verwendet. Das Konvolut wurde in den 1970er Jahren mit Kleberücken, Pappdeckeln und Vorsatzblättern versehen[1].

Das Heft enthält handschriftlich mit Tinte eingetragene Texte sowie Buntstiftzeichnungen. Soweit erinnerlich wurden manche Texte vorgegeben/diktiert, andere selbst formuliert. Die Bilder dürften teils frei gestaltet, teils von Vorlagen abgezeichnet (oder durchgepaust) sein. Die Blätter (bezeichnet als „Seiten“) sind fortlaufend nummeriert.

Der aus Schulklasse 3 stammende Teil umfasst 39 Blätter sowie ein Inhaltsverzeichnis. Für dieses Jahr wurden die behandelten Themen nummeriert (33 Themen). – Zum Vergleich: Der aus Schulklasse 4 stammende Teil [Link] umfasst 34 Blätter; hier gibt es kein Inhaltsverzeichnis, und die Themen sind nicht nummeriert.

BlattNr.[2]Überschriften und Exzerpte
  Inhaltsverzeichnis
11Von meiner Heimat – Die Heimatkunde erzählt von meiner Heimat. Meine engste Heimat ist die Familie …
12Unsere Wohnung – Wir wohnen in einer Mietwohnung in der Bismarckstraße … im Erdgeschoß … Zu der Wohnung gehört ein Hof mit Garten.
1v[3] Skizze: unser Vaterhaus
23Mein Wohnviertel – … die Bismarckstraße … ist eine ruhige Wohnstraße … in der Nähe vom Schloßgarten.
34Der Stammbaum meiner Familie – Jede Familie wächst wie ein Baum …
3v Skizze: Der Familienstammbaum
45Mein täglicher Schulweg – … Da der Weg nur kurz ist, gehe ich zu Fuß. In zehn Minuten bin ich in der Schule. Ich gehe durch verkehrsreiche Straßen …
46Jeder von uns muß im Verkehr aufpassen. Wir benutzen die Gehwege und überqueren die Straße nur gerade auf dem kürzesten Weg … Vor dem Überqueren schauen wir erst nach links, dann auf der Mitte der Straße[4] blicken wir nach rechts, ob ein Fahrzeug kommt.
4v, 57Wir lernen die Verkehrszeichen kennen – … Vorfahrt beachten! … Nur für Fußgänger …
5v, 68Stadt Oldenburg am ersten Mai – Am ersten Mai feiern alle arbeitenden Menschen … Die Erwachsenen geben sich immer einen neuen Plan für das Arbeitsjahr … Wir Kinder sagen uns für dieses Jahr: 1. Höflich sein! 2. Ruhig werden! 3. Tüchtig arbeiten!   Skizzen (5v): Maibaum; Birke.
6v9Zum Muttertag, 13.5.1956 [Singstrophe]
710Zum Muttertag [Dankesbrief an die Mutter]

[1] Dabei vertauschte sich die Reihenfolge von Blatt 22 und 23; bei Blättern 12, 18, 31 und 67 wurde Vorder- und Rückseite vertauscht. Manche Blätter erscheinen anders benummert und eingebunden als es der Reihenfolge ihrer Entstehung entspricht.

[2] Themen-Nummer

[3] verso: Blatt-Rückseite

[4] Diese Formulierung wurde von uns als Schüler*innen heftig kritisiert.

BlattNr.Überschriften und Exzerpte
811Wir messen in unserer Klasse – … Unsere Wandtafel: lang 3,67m, breit 1,21m … Unsere Klassentür …
8v, 912Was geschieht, wenn es in der Natur blüht? – … Wie sieht eine Blüte aus? … Wozu hat die Blüte alle diese Teile? … Die Bienen fliegen von einer Blüte zur anderen. Dabei bringt die Biene den [Blüten-]Staub auf den Stempel einer anderen Blume. So wird die Blume befruchtet.   Skizzen (8v): Gänseblümchen, Tulpe, Klee, Stiefmütterchen, Wiesenhornkraut
9v, 1013Meine Schule – … Schule am Waffenplatz. Sie ist die älteste Schule von Oldenburg und war früher eine Knabenschule … Unsere Schule ist klein. Sie neun Klassen … Meine Lehrerin heißt Frau Charlotte Lichtenstein … Der Rektor der Schule ist Herr Wenke …
10v, 1114Wenn wir ein Haus zeichnen wollen – Jedes Haus hat vier Seiten (Fronten): zwei Breitseiten, zwei Schmalseiten … Das schönste Giebelhaus von Oldenburg ist das Haus „Degode“, Langestraße. Es ist ein Fachwerkhaus … Unser Schulhof aus der Vogelschau, stark verkleinert … lang: 45m, verkleinert (5m=1cm): 9cm, breit: 30m, verkleinert (5m=1cm): 6cm   Skizzen (10v): Ein Haus aus Glas. Schulhof aus der Vogelschau
11v Der Grundriß von unserm Schulhof
1215Wie entsteht der Grundriß der Dinge? Um jedes Ding kann man eine Linie reißen, auf … [der] es steht oder liegt. Diese Linie nennt man Grundriß … Der Grundriß eines Kastens … Rechteck … Quadrat … Der Grundriß eines Topfes … Kreis
BlattNr.Überschriften und Exzerpte
12v, 1316Von dem Himmel, den Sternen, dem Mond, den Wolken und dem Wind – … Himmelsgewölbe. Scheinbar wandern an diesem Gewölbe Sonne, Mond und Sterne entlang. In Wirklichkeit … Tag und Nacht … die vier Jahreszeiten …   Skizze (12v): So läuft die Sonne am Himmelsgewölbe.
13v, 1417Der Wind als Wettermacher – Der Wind bringt uns trockne oder feuchte Luft … Jede Gegend hat ihre Schlechtwetterrichtung … Aus acht verschiedenen Himmelsrichtungen kann der Wind wehen …   Skizze (13v): Die Windrose.
1418Der Mond (Unser Licht in der Nacht) – … Der Mond wandert wie die Sonne … Er hat nicht immer die gleiche Form …   Skizzen: Vollmond, zunehmende / abnehmende Mondsichel, zunehmender / abnehmender Halbmond
14v – 1619Der Kreislauf des Wassers – Zuerst werden viele Tropfen in einer Wolke über die Länder getrieben … die Tropfen purzeln als Regen heraus … Vom Regenwasser ernähren sich alle Pflanzen. Viele Tropfen sickern durch Sand, Kies und Kalk bis auf den Felsgrund … Quelle … Es bildet sich ein kleiner Bach … Der Fluß hat einen sehr weiten Weg bis in das Meer. Die Sonne scheint … das Wasser verdunstet. Es bilden sich neue Wolken …   Skizze (14v-15): Wolken … Quelle … See … Wasserfall … Sonne … Meer
16v, 1720Unsere Schulumgebung, 11.&14.9.1956 – Unsere Schule steht in dem Stadtkern von Oldenburg. Leider sind die Straßen im Umkreis nur schmal. Der Verkehr aber von Autos, Lastwagen und Personen sehr stark. Dazwischen gibt es noch viele Radfahrer und keine Radwege. Einige Straßen sind Einbahnstraßen geworden … Solche Straßen sind: Langestraße, Achternstraße … Und doch – fast jeden Tag geschehen Verkehr[s]unfälle.   Skizze (16v): Unsere Schulumgebung Skizze (17): [Einbahnstraße] „Der fährt richtig! Der fährt falsch!“
18-2121Die Geschichtliche Entwicklung von Oldenburg
18 1) Die Anfänge, 26.9.1956 – Vor mehr als 700 Jahren standen am Ufer von Hunte und Haaren nur einige armselige Hütten von Fischern und Schiffern. In dieser Zeit lebte am Zwischenahner Meer Graf Christian von Ammerland … zog mit Herzog Heinrich dem Löwen auf viele Kriegszüge … schließlich baute ihm Heinrich … eine feste Burg … an der Stelle, wo Haaren und Hunte zusammenfließen … bekam später den Namen „Aldenburg“ … nannten sich die Grafen … „Graf von Oldenburg“.   2 Skizzen (18): „So fing es an!“ Skizze (18v): Die Anfänge von Oldenburg
19 2) Wie die Burg belagert und wieder frei wird – Graf Christian … hatte … keine Lust mehr, in den Krieg zu ziehen, Er schickte auch keine Soldaten Herzog Heinrich zur Hilfe. Da kam der Herzog Heinrich mit einem großen Heer und belagerte die Burg. Bald war der Hunger in der Burg groß. Vor der Burg waren auch viele Krankheiten vom Regen und Sumpffieber. Graf Christian selbst wurde todkrank. Niemand sollte von seinem Tod erfahren; denn auf seinen Befehl mußte auch nach seinem Tode ihm die Speise gebracht werden. Endlich zog Herzog Heinrich mit seinem Heer ab.
19 3) Wie sich eine Siedlung um die Burg entwickelt – Die Nachfolger bauten die Burg aus … Ritter und Dienstleute wurden angesiedelt. Bald kamen auch Handwerker und Kaufleute … wurde ein Wall aufgeschüttet … Hunte und Haaren wurden durch einen Wassergraben verbunden … 1345 wurde der Ort zur Stadt und bekam den Namen „Oldenburg“.
20 4) Fast 500 Jahre blieb Oldenburg in den gleichen Grenzen. Fünf Stadttore führten aus der Stadt: 1. Heiligengeist-Tor, 2. Haarentor, 3. Everstentor (Gartentor), 4. Dammtor, 5. Stautor.
20 5) Bis 1788 standen diese Tore … [Planskizze mit den 5 Toren und div. Straßennamen]
20 6) Von der Burg aus wurde die Stadt von den Grafen regiert. Graf Anton Günther[1] (1603-1667) war der berühmteste Graf. Er rettete die Stadt im 30-jährigen Krieg. Nach seinem Tod war kein Nachfolger. Von 1670 bis 1773 wurde Oldenburg dänisch. Dazwischen lagen drei jahre voller Schrecken. 1667 brach die Pest aus. Viele starben. 1676 brannte Oldenburg ab.
21 7) [1670-1933] … 1773 wurde Oldenburg eine Residenz (Reg.sitz der Erbgroßherzöge). Dadurch bekam Oldenburg wieder Glanz und Würde (Hofhaltung) und die Kultur verfeinerte sich. Nach Oldenburg kamen Künstler, und es wurde ein Theater, eine Kirche und eine Schule gebaut. 1719-1824 wuchs die Stadt über ihre Mauern hinaus … 1922 wurde Osternburg zur Stadt gezogen. 1924 wurden Eversten, Ohmstede, Nadorst und Donnerschwee ebenfalls eingemeindet. 1933 war Oldenburg schon eine große Stadt.

[1] Vgl. Markus Evers (2012): Graf Anton Günther. Zur Erinnerungsgeschichte und gegenwärtigen Präsenz der oldenburgischen Symbolfigur und ‚Ikone‘, pp.133-208 in: Mareike Witkowski (Hg.): Oldenburger Erinnerungsorte. Vom Schloss bis zur Hölle des Nordens, von Graf Anton Günther bis Horst Janssen. Isensee Verlag, Oldenburg.

BlattNr.Überschriften und Exzerpte
19v, 2222[Die Arbeit am Brot] 26.9.1956 – Aus Roggenmehl wird Schwarzbrot, Graubrot und Vollkornbrot gebacken … Weizen … Hafer … Gerste …   Skizze (19v): Bei der Kornernte
23 Die Arbeit am Brot. 26.-27.9.1956 – pflügen, eggen, säen, (wachsen, gedeihen, reifen lassen), ernten: mähen, bündeln, in Hocken stellen, trocknen lassen, aufladen, einfahren, abladen, packen, dreschen, reinigen, in Säcke abfüllen, mahlen, backen, kaufen, essen … Bevor das Brot auf dem Tisch steht, müssen viele Menschenhände daran arbeiten …   Skizze (23v): Verschiedene Getreideähren (Roggen, Gerste, Weizen, Hafer)
24-2523Allerlei Maße – 1. Längenmaße …, 2. Hohlmaße …, 3. Geldmaße …, 4. Zeitmaße …, 5. Zählmaße (inkl. Paar, Dutzend, Mandel (15), Schock / Bogen (60) …), 6. Gewichtsmaße …
2624Unsere Sprache – inkl. Selbst-, Um-, Doppel, Zisch-, Mitlaute; Betonung
BlattNr.Überschriften und Exzerpte
2725Die Verwaltung der Stadt, 6.2.1957 – Flüchtlingsamt, Wohnungsamt, Ausgleichsamt … Die Polizei: Meldeamt, Verkehrspolizei, … Wasserschutzpolizei, Bauamt, …Gesundheitspolizei … Alle diese Ämter sind notwendig …  
2826Unser Stadtplan – Unser Stadtplan ist im Maßstab 1:18000 gezeichnet …   Skizze: Das ist unser Stadtplan
29-3127Ausfallstraßen – Nadorsterstraße … nach Norden …; Alexanderstraße nach Nordwest …; Donnerschweerstr. nach Nordost …; Ofenerstr. – Ammerländerheerstraße nach Nordwest …; Gartenstr. – Hauptstr. – Edewechter Landstr. nach Westen … [mit Zielorten]
30 Skizze: Ausfallstraßen
31, 31v (oben) Die Ausfallstraßen [Aufzählung mit Abzweigungen]
31v, 32-3428Die Bundesbahn – Unser Hauptbahnhof liegt im Osten der Stadt. Außerdem haben wir acht Nebenbahnhöfe … gehören zu den öffentlichen Gebäuden …   Skizze (31v): Eisenbahnlinien vom Hauptbahnhof aus Skizze (31v): [Schnittbild] Von der Straße durch den Tunnel zu den Bahnsteigen
33 Auf dem Hauptbahnhof – Verschiedene Stellwerke, von denen aus Signale und Weichen gestellt werden … verschiedene Arten Signale … Signale für die Strecken: Doppelsignale und einfache Signale … für die Weichen … Rangiersignale …
34 Was mit der Fahrkarte geschieht – Die Fahrkarte wird gelöst … bezahlt … gelocht … vorgezeigt …
3529Die Post – Die Post ist ein öffentliches Gebäude, außerdem auch ein Bundesamt …
BlattNr.Überschriften und Exzerpte
3630In der Molkerei – Die Molkerei ist ein sehr wichtiger Betrieb für uns und für die Bauern … brauchen die Milch nicht mehr allein zu verarbeiten … Die Milch wird … gereinigt und ganz schnell verarbeitet …
3731Was mir in der Molkerei besonders Spaß gemacht hat – Ganz besonders gefiel mir das Reinigen, das Füllen und das mit einem Deckel versehen der Milchflaschen …
3832Deutscher Rat (von Robert Reinick) – Sprich ja und nein und dreh‘ und deutle nicht! Was du berichtest, sage kurz und schlicht! …
38-3933Gedichte, die uns durch das dritte Schuljahr begleitet haben – 1. Im Frühling … 2. Im Sommer … 3. Im Herbst … 4. Im Winter … 5. Im Tageslauf … 6. Von Arbeit und Spiel … 7. Aus der Heimat und dem Volksgut …